Überspringen und Hauptinhalt zeigen

Von unseren Depsters June 30, 2020

Form follows Function – Design follows user centricity

Image

Schönheit ist ein schwer zu beschreibendes Phänomen, etwas sehr Persönliches, das wir intuitiv erleben. Sie berührt uns und hat erwiesenermaßen positive Auswirkungen auf unser Verhalten, unser Wohlbefinden, unsere Stimmung und unsere kognitiven Fähigkeiten. Schönheit besteht aus Farben und Formen, aus Materialität und Komposition, aus visueller Ästhetik und tief empfundenen Emotionen. Ein Lächeln, ein formvollendetes Auto, ein stilvolles Möbelstück oder das flüchtige Gefühl von Glück. Schönheit ist etwas – ob naturgegeben oder menschengemacht – das Genuss oder Zufriedenheit beim Betrachter auslösen kann und einen enormen Einfluss auf die (Kauf-) Entscheidungen nimmt, die wir täglich treffen. Und obwohl die Wahrnehmung von Schönheit ständigen Veränderungen unterliegt, überdauert das, was wir als schön deklarieren, Jahrtausende. Wie also definieren wir Schönheit heute und inwiefern wird sich der Schönheitsbegriff in der Zukunft wandeln?

Joy of Use: Schönheit als Teil der Funktion

Natürlich gibt es einen sozialen Konsens, der den Begriff von Schönheit eingrenzt – wie z.B. der Goldene Schnitt in der Kunst. Dennoch bleibt dessen Empfindung etwas Subjektives, bei dem der gesellschaftliche, kulturelle, zeitliche, ethnische und geografische Kontext eine große Rolle spielt. Fest steht: Schöne Dinge sind nachhaltiger, weil sie sorgsamer behandelt werden. Außerdem werden sie eher repariert als hässliche Dinge. Wir alle wollen etwas erschaffen und wahren, das uns Freude bereitet und die Ewigkeit überdauert.

Es ist also gar nicht die Gestaltung oder das Produkt als solches, sondern viel mehr das, was in Nutzern vorgeht, die damit arbeiten und umgehen müssen. Das erklärt auch, dass z.B. der Erfolg einer App damit zusammenhängt, welche Bedeutung sie im Leben ihres Nutzers erhält und aus welchen Gründen. Ob sie unverzichtbar und somit zu einem festen Bestandteil des Alltags wird oder ob sie austauschbar bleibt. Hierbei stellt sich die Frage: Was entscheidet darüber, ob eine App täglich genutzt wird? Funktionieren ästhetisch wertvolle Dinge besser? Ersetzt der Fokus auf Funktionalität und Effizienz das Streben nach Schönheit?

In einem seiner Interviews spricht der österreichische Grafikdesigner und Typograf Stefan Sagmeister über die Auswirkungen von Schönheit in unserer Umwelt auf unsere psychische Verfassung: „Wohnprojekte der 70er haben eine hohe Kriminalität hervorgebracht, weil sie mit reiner Funktionalität gebaut wurden, ohne die Schönheit auch nur irgendwie zu berücksichtigen. Diese beiden Dinge funktionieren am besten, wenn ihnen gleich viel Aufmerksamkeit geschenkt wird. (…) Funktionalität ist der Kern, in dem, was wir tun, sonst ist es nicht Design. Es ist eine der Definitionen von Design, es muss funktionieren. Aber das reicht nicht, Design muss auch Freude bereiten. Menschen sind nicht für Umgebungen gemacht, die nur funktionieren.“ Reine Funktionalität ohne ästhetischen Wert greift also laut Sagmeister zu kurz. Die Freude an der Gestaltung der eigenen Lebenswelt, die Menschen miteinander teilen, erweckt das Bedürfnis, das Schöne zu bewahren. Das erklärt auch, warum wir etwas Schönes intuitiv mit etwas Gutem und Schützenswertem gleichsetzen.

Erfolgreiches Visual Design ist beides: schön und funktional

Design ist die Form, und eine nutzerzentrierte Gestaltung die Funktionalität des digitalen Zeitalters. Nur durch Kombination dieser beiden Bereiche, die einander bedingen, wird bei Nutzern nachhaltige Emotionalität hervorgerufen. Nach Design follows function folgt Design follows user centricity.

„Designer sind normalerweise Experten für Dinge, die man berühren, sehen und auf die man reagieren kann. Nun, da Software die Welt quasi übernommen hat, ändern sich die manifesten Ausdrucksformen der Designwelt und machen Platz für Dinge, die man nicht so leicht sehen kann, wie etwa Personalisierungsdaten, die speichern, wer wir sind. Designer werden darüber nachdenken müssen, wie Menschen und Maschinen interagieren.“ Mark Rolston, Gründer und Chief Creative von argodesign.

Gutes Visual Design sollte also beides sein: schön und funktional. Es vereinfacht unser tägliches Leben und reagiert auf echte Bedürfnisse. Wir leben in einer schnelllebigen, weltweit vernetzten Zeit, die fortlaufend an Geschwindigkeit zulegt und uns vor neue Herausforderungen stellt. Einhergehend mit einer veränderte Kommunikationskultur stellen sich erfolgreiche Marken immer wieder die Frage: Wo und wie und mit welchem Produkt zu welcher Zeit erreiche ich Konsumenten am besten?

Komplexität einfach gestalten

Solche neuen Herausforderungen erfordern eine klare Gestaltung, die der Funktionalität komplexer Informationen auf immer kleineren Gestaltungsrahmen dient. Alles, was wir gestalten, muss schnell und einfach erfassbar, vor allem aber leicht zu konsumieren sein. Deshalb muss gutes Visual Design generationenübergreifend funktionieren und nachhaltig gedacht werden, also unabhängig von zeitlichen Epochen, kulturell geprägten Schönheitsidealen und schnelllebigen Trends funktionieren.

Moia und Airbnb sind ein gutes Beispiel dafür, wie erfolgreiche nutzerzentrierte Apps aussehen können, weil sie die mit der rasant voranschreitenden Digitalisierung einhergehende Verwirrung nicht zum Problem des Nutzers werden lassen. Marken wie Rino & Pelle und Moooi kombinieren dies mit einem exzellenten und sehr geschmackvollem Visual Design.

Menschen, Marken, Mindsets

Was zeitloses Design außerdem erfordert, sind starke Mindsets, authentische Glaubenssätze und eine hohe Sensibilität für die Bedürfnisse derer, die damit arbeiten. Stichwort: Funktionalität (oder im Falle von E-Commerce: Nutzerzentrierung). Menschen interagieren immerzu miteinander – online und offline. Das bedeutet, dass bei einem erfolgreichen Markenauftritt oder Produkt der Nutzer und seine Umwelt immer im Fokus stehen.

Was sind also die grundlegenden Parameter, die unabhängig von Branche, Zielgruppe, Trends oder Kultur Wert erzeugen und Produkte glänzen lassen? Sicherlich ein gefestigter Wertekompass einer Marke und ein individuelles Markenerlebnis, das starke Emotionen beim Nutzer auslöst. Hier kommt wieder die Schönheit ins Spiel und der Mensch liebt natürliche Schönheit, die selten makellos ist und gerade deshalb Emotionen in uns auslöst. Ohne Charakter wird vieles austauschbar. Infolgedessen entwickelt sich der Trend weg vom perfekt Inszenierten hin zu mehr Authentizität und „Mut zum Makel“. Weil Kunden seelenlose, digitale Welten ablehnen, stehen Marken und Onlineshops vor der Herausforderung sich von den allgemein gültigen Gestaltungsregeln loszusagen und neu zu denken, um nicht in der Masse von gleich aussehenden Konkurrenten unterzugehen.

Eine Marke muss führen und verführen können. Und das beginnt beim visuellen Auftritt, der sich von der Masse abheben muss. Apple ist – auch wenn immer wieder kontrovers diskutiert – ein gutes Beispiel für ein Unternehmen, das, sowohl beim Thema Funktionalität als auch beim Design, seit Jahren die Vorreiterrolle einnimmt. Das Mission Statement der Marke verspricht seinen Kunden neben der „besten User Experience„ dank innovativer Hardware, Software und exzellentem Service“ qualitativ hochwertige, besonders ästhetische und gleichzeitig benutzerfreundliche Produkte, die Mehrwert sowie Identität stiften.

Ähnlich ist es bei Marken wie Nike und MARC O’POLO, die mit einem aufmerksamkeitsstarken Markenauftritt von Online-Shop über App bis hin zum POS ein ganzheitliches, individuelles Markenerlebnis schaffen. Neben dem hohen ästhetischen Anspruch einer Marke wird hier ein Lebensgefühl transportiert, das Menschen inspiriert und motiviert, ihr Leben positiv und selbstbestimmt zu gestalten.

Die digitale Zukunft der Ästhetik

Es bleibt also interessant, inwiefern sich der Schönheitsbegriff durch die digitale Transformation verändern und welche Rolle künstliche Intelligenz in der Entwicklung unseres ästhetischen Verständnissen spielen wird. Heute wissen wir: Nutzerzentrierung erfordert Interaktion, Authentizität ersetzt Perfektion. Dabei stellt sich vor allem die Frage, wie wir Diversität im ewig Gleichen erschaffen können und inwieweit KI dabei eine sinnvolle Unterstützung für Gestalter sein wird. Es wird spannend.

Fragen? Wir sind hier, um zu helfen!

Hoppla!

If you're reading this, you unfortunately can't see the form that's supposed to be here. You probably have an ad blocker installed. Please switch off your adblocker in order to see this form.

Still encountering problems? Open this page in a different browser or get in touch with us: [email protected]