CES 2026 – nicht Technik selbst, sondern Führung und Haltung im Fokus
Die CES 2026 war laut auf die gewohnte Art: Roboter hüpften, Bildschirme übernahmen Windschutzscheiben.
KI-Agenten versprachen, für uns zu denken, zu handeln und zu entscheiden. Der größte Teil der Messe schien eine Frage zu beantworten, bevor sie gestellt wurde: Ja, KI kann das jetzt.
Dennoch fanden die interessantesten Gespräche nicht vor den beeindruckenden Tech-Demos, sondern in Panels statt. In Momenten, in denen die Begeisterung über neue Möglichkeiten einer nüchternen Frage wich: Nur weil wir etwas können, sollten wir es auch tun?
Wo generative und agentenbasierte KI von der Neuheit zur Infrastruktur werden, liegt der Vorsprung bei denen, die bereit sind, ohne lange Freigabeschleifen zu experimentieren, für das reale Nutzerverhalten zu gestalten (nicht für das, was Funnels skizzieren) und Markenbeziehungen neu zu denken.
Drei Themen begegneten uns immer wieder. Zusammen ergeben sie ein Bild davon, wohin sich KI in Unternehmen entwickelt – und was noch zählt, wenn die Messestände abgebaut sind.
Breit experimentieren
Eines der deutlichsten Signale auf der CES 2026 war keine spezifische Technik, sondern Haltung. Trotz des unbestreitbar futuristischen Eindrucks der Geräte und humanoiden Roboter steckt generative KI im gesamten Kontext technologischer Entwicklung noch in den Kinderschuhen. Niemand hat sie bisher perfektioniert und der Raum zum Lernen und Wachsen ist unendlich. Genau deshalb war der glaubwürdigste Rat für Führungskräfte betont einfach: Je mehr Versuche, desto mehr Erfolge.
Das bedeutet: Teams ermutigen zu tüfteln ohne zu viel nachzudenken. Agenten bauen, Workflows aufbrechen, Ideen testen, die vielleicht nicht skalieren (oder gar nicht funktionieren), um zu verstehen, was möglich ist. In dieser Phase, in der sich KI-Fähigkeiten rasant entwickeln, ist das Warten auf Best Practices eine Verliererstrategie. Bis sich Konsens bildet, ist der Vorsprung verloren.
Als Logitech-CEO Hanneke Faber sagte: „Lasst tausend Blumen blühen“, war das kein Aufruf zum Chaos oder zu unkonzentrierter Innovation. Es war die Anerkennung, dass in einer so neuen Landschaft niemand weiß, welche Saat aufgehen wird. Fortschritt entsteht nicht durch die Perfektion von Vorhersagen, sondern durch breites Säen, schnelles Pflegen und Skalieren dessen, was Wurzeln schlägt.
Die Unternehmen, die die Nase vorn haben, setzen nicht alles auf eine einzige, makellose Roadmap. Sie schaffen Umgebungen, in denen Experimentieren Routine ist, Scheitern sichtbar und lehrreich wird und Erkenntnisse sich schneller verbreiten, als Organigramme sie bremsen können. Einige Blumen werden nicht blühen. Das Risiko besteht darin, zu wenige zu säen, nicht zu viele.
Konsument:innen-Mindset statt Funnel
Auch dieses Jahr wurde wieder der “Tod des Funnels” ausgerufen, diesmal aber mit Klarheit darüber, was ihn ersetzt: das Mindset der Konsument:innen.
Kund:innen bewegen sich nicht linear, sie pendeln. Sie stöbern aus Langeweile, recherchieren bei Unsicherheit, delegieren bei Überforderung und kaufen bei Vertrauen. Manchmal wollen sie in Inhalte eintauchen, ein anderes Mal impulsiv direkt zur Kaufentscheidung springen.
Der Versuch, alle auf den gleichen Pfad zu führen, erzeugt Reibungsverluste – weil er ignoriert, warum und wie sie sich überhaupt auf den Weg gemacht haben.
Hier wird KI den Unterschied machen. Nicht als neuer Schritt in der Journey, sondern als verbindendes Gewebe. Wenn Inhalte, Handel und Kundenerlebnis durch KI verknüpft sind, können Marken situativ auf Motivationen reagieren statt einen linearen nächsten Schritt zu forcieren. Das bedeutet Tiefgang, wenn jemand verweilen möchte, und Entschlusskraft, wenn jemand bereit ist zu handeln.
Die Chance besteht nicht darin, den Funnel mit besseren Tools oder noch differenzierteren Stufen neu zu bauen. Sie besteht darin, die Vorstellung loszulassen, dass Menschen überhaupt „bewegt“ werden müssen. Die eigentliche Aufgabe wird sein, Systeme zu entwerfen, die sich in Echtzeit an Absichten von Konsument:innen anpassen – wo Inhalte zu POS, Anleitungen zu Entscheidungen werden und KI Kunden hilft, sich unterstützt und sicher statt gemanagt zu fühlen.
“Defend, extend, upend”
Einer der praxistauglichen Gedanken aus unserem Panel „Agentic AI: Cutting Through the Hype“ kam von Mandeep Bhatia, SVP of Global Digital Product & Omnichannel Innovation bei Tapestry. Während sich das Gespräch weitgehend um die rasche Evolution agentenbasierter KI drehte, fokussierte Bhatia die Diskussion auf ein vertrautes, aber zeitgemäßes Framework: “Defend, extend, upend”.
Auch wenn das Konzept nicht neu ist, wirkte es im Kontext agentenbasierter KI als klarer Weg für Marken, wettbewerbsfähig zu bleiben, während sich der Handel kontinuierlich verändert.
Schützen der grundlegenden Werte, die noch zählen: Marke, Vertrauen und starke eigene Erlebnisse. Erweitern auf neue Plattformen und Konsumentenverhalten. Auf den Kopf stellen, wie Marken-Kunden-Beziehungen definiert und gepflegt werden.
Die Stärke dieses Ansatzes liegt in seiner Ausgewogenheit. Er erkennt an, dass agentenbasierte KI zwar verändert, wie Handel funktioniert, langfristige Wettbewerbsfähigkeit aber immer noch davon abhängt, zu wissen, was man schützen, was man ausbauen und wo man bestehende Annahmen herausfordern muss.
Wir hatten eine fantastische, aufregende Zeit auf der CES – mit Zuhören, Diskutieren und kritischem Hinterfragen von Ideen gemeinsam mit den Führungskräften, die die Zukunft gestalten. Und wenn die Woche eines bewiesen hat, dann dies: Die Zukunft wird nicht durch lautere Technik gebaut, sondern durch Teams, die sie mit Haltung und Ziel einzusetzen wissen.