Milo Peter
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Creative
Zürich

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User Testing: Anleitung, Methoden und Ablauf

Warum Benutzertests so wichtig sind, um die richtigen Produkte für Nutzer:innen zu liefern

Hypothesen und Annahmen zu Produkten können zwar nützlich sein, doch um wirklich sicher zu sein, dass das Produkt ein spezifisches Problem löst, empfiehlt es sich, die Zielgruppe das Produkt ausgiebig testen zu lassen. Bestmöglich lösen Produkte nicht nur kurzfristige Probleme, sondern stillen langfristig auch die Bedürfnisse der Konsument:innen. 

Die Kombination aus User Testing und Product-Market-Fit ist das entscheidende Kriterium bei der Entwicklung Ihrer Produktstrategie. Wenn Teams diese Steps berücksichtigen, sind sie auch in vielen anderen Bereichen der Entwicklung effizienter, ermöglichen schnellere Product-Roadmaps und erzielen schneller den gewünschten ROI. 

Dieses Verständnis kann nur durch das Lösen der zugrunde liegenden Probleme Ihrer Nutzer:innen erlangt werden. In diesem Leitfaden für User Testing stellen wir Ihnen die verschiedenen Arten von Benutzertests vor, wann sie eingesetzt werden sollten und wie man sie in einem realistischen Product-Life-Cycle einsetzt.

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7 Methoden für User Testings

Grundsätzlich unterscheiden wir zwei Kategorien: die qualitativen und die quantitativen User Tests.

Beim qualitativen Testen geht es darum, etwas über die Vorstellungen und Gefühle der Nutzer:innen zu erfahren, während quantitative Tests zahlen-basiert und messbar sind. Ein Beispiel wäre die Befragung einzelner Nutzer:innen zu seiner/ihrer Bedürfnisse und Motivationen im Vergleich zu A/B-Tests eines einzelnen Interface-Elements oder User-Flows.

Achten Sie bei der Durchführung Ihrer quantitativen Daten auf statistische Signifikanz, da Ihre Ergebnisse sonst willkürlich sein könnten und keinen echten Konsens der Nutzer darstellen. 

Um die besten Ergebnisse zu erzielen, müssen Sie sowohl qualitative als auch quantitative Tests durchführen. Hier sind die wichtigsten Benutzertests und welche konkreten Vorteile diese für Sie haben.  

Methode 1: Usability Testing
Bei einem der wichtigsten und beliebtesten Tests, dem Usability-Test, wird ein/e Nutzer:in aufgefordert, eine bestimmte Aufgabe zu erledigen und Feedback zu geben, während ein:e Moderator:in die Beobachtungen dokumentiert. Diese Art von Tests ist deshalb so wichtig, weil Sie einen echten Menschen und potenzielle Nutzer:innen live an ihrem Produkt beobachten können. Auf diese Weise erfahren Sie, welche Probleme die Nutzer:innen eventuell haben, wie sie navigieren, wie sie nach Informationen suchen und was sie an einem bestimmten Produkt mögen oder nicht mögen.

Methode 2: Direktes Beobachten
Bei der direkten Beobachtung verfolgen Sie das Geschehen ohne eigene Einflussnahme. Wenn Sie beobachten, wie mühelos Nutzer:innen Informationen findet oder wie schwierig es ist, eine Anmeldung auszufüllen, kann das Aufschluss darüber geben, wie komplex Ihre Anwendung zu bedienen oder zu verstehen ist.
 
Methode 3: Prototyping 
Beim Prototyping prüfen ihre Nutzer:innen lediglich einen Prototyp, keine vollständig entwickelte Software, App oder Website. Manchmal handelt es sich bei diesen Prototypen um Low-Fidelity-Wireframes, manchmal um High-Fidelity-Prototypen, die an- und durchgeklickt werden können. Da die Entwicklung oft viele Ressourcen beansprucht, teuer und zeitaufwändig ist, empfiehlt es sich, wirklich erst dann mit der finalen Entwicklung zu beginnen, wenn das Prototyping erfolgreich abgeschlossen ist. 

Methode 4: A/B-Tests
Ein ebenfalls beliebter und schneller Weg für Iterations-Prozesse ist das gleichzeitige Testen von zwei Optionen, um unter gleichen Bedingungen einen klaren Gewinner zu finden. Reagieren Nutzer:innen eher auf einen “Kontakt”-CTA oder auf einen „Jetzt anrufen”-CTA? Funktioniert der blaue Button besser als der rote Button? Mit A/B-Tests können Sie nützliche Daten erhalten und schneller Entscheidungen treffen. 

Methode 5: Treejack-Test
Treejack-Tests sind ideal für Tests der Informationsarchitektur, die für jede komplexe Website oder jedes Produkt unerlässlich ist. Sie können Fragen stellen wie: “Wenn Sie den nächstgelegenen Ort finden wollen, auf welche Seite würden Sie klicken?” und dann alle Interaktionen aufzeichnen. 

Methode 6: Eye-Tracking und Heat-Mapping 
Eye-Tracking und gute Heatmap-Tests können teuer sein, lohnen sich aber für einige Produkte. Mit dieser Methode können Sie feststellen, wohin Ihre Nutzer:innen blicken und welchen Klickpfad diese nehmen. Diese Tests helfen ein Verständnis dafür zu entwickeln, ob Sie auch die richtigen Informationen an der richtigen Stelle bereitstellen. 

Methode 7: Persönlich oder Remote
Sie können all diese Tests persönlich, aus der Ferne oder auch automatisch durchführen. Denken Sie daran, diese verschiedenen Situationen bei der Datenanalyse zu berücksichtigen, denn unterschiedliche Rahmenbedingungen können sich auf die Meinungen der Nutzer:innen und ihre Interaktion mit den jeweiligen Produkten auswirken.

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Wann und wie oft sollte ein Team testen?

Wie so häufig lautet die Antwort auf diese Frage: “Es kommt darauf an”. 

Minimal Viable Products (MVPs) müssen anders getestet werden als eine Legacy-App. Eine Single Page Web-App benötigt andere Tests als ein grosser E-Commerce-Shop. Es gibt also leider keine Universallösung.  

Eine solide Discovery-Session ist zum Beispiel eine gute Vorgehensweise. Dieser Prozess hilft den Verantwortlichen, die Problematiken zu verstehen und ein entsprechendes Konzept zu entwerfen, um das Problem zu lösen. Er hilft auch den Designern zu erkennen, wie und wann getestet werden soll. 

Wir können jedoch einige allgemeine Empfehlungen geben: 

Häufig testen 
Ein effektiver Entwicklungsprozess beginnt mit der Identifizierung und der Definition, bevor er in die Konzeption übergeht. Es empfiehlt sich, diesen Prozess immer wieder zu wiederholen. 

1. Ideate
2. Prototyp 
3. Test
4. Ideate 
5. Prototyp
6. Test

Vor jedem Test sollten Sie sich die Frage stellen: „Müssen wir das unbedingt testen?“. Während ein kleiner Farbwechsel vielleicht kein grosses Setup benötigt, werden neue Features eine sorgfältige Planung benötigen

Sie müssen auch an Ihr Budget denken. Jede Kleinigkeit zu testen, kostet Zeit und Geld. Führen Sie also Gespräche, stellen Sie die richtigen Fragen und schaffen Sie eine „Testing-Mentalität“ innerhalb ihres Teams.

Light Iteration = quantitative Tests 
Ausnahmen bestätigen die Regel, doch im Allgemeinen gilt:

Eine „Light Iteration” ist schwer zu definieren, ist aber in der Regel eine Methode, anhand der bereits durch einen A/B Test eine Entscheidung getroffen werden kann.

Heavyweight Iteration = qualitative Tests 
Auch für „Heavy Iteration“ gibt es Ausnahmen, doch in der Regel geht es um aufwändigere User Tests und Prototyping, bei denen die direkt mit den Nutzer:innen in Austausch treten, um die gesamte Bandbreite der Beweggründe zu verstehen.
 
Internes vs. externes Testing
Wenn Sie sich in der Anfangsphase einer Produktentwicklung befinden (z. B. bei Wireframes), empfehlen wir Ihnen, die Tests mit internen Stakeholdern durchzuführen. 

Sparen Sie Zeit und Ressourcen, bevor Sie sich für externe Tests ausserhalb ihres Unternehmens entscheiden und belassen Sie die Prozesse so lange In-House, bis Sie mit einem High-Fidelity-Prototyp auftreten können.

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Realer Produkttest: eMoney

Die Produkte von eMoney, deren Wurzeln in der umfassenden Finanzplanung liegen, stärken die Kundenbeziehungen, optimieren die Geschäftsabläufe und fördern das Gesamtwachstum. Das Ziel von eMoney war es, sein Produkt auf eine neue Zielgruppe auszuweiten: Millennials.

Gemeinsam mit eMoney erarbeitete DEPT® fünf Konzepte, die potenziell die Zielgruppe der Millennials erreichen könnte. Anschliessend startete DEPT® eine Reihe von Design-Sprints, in denen Prototypen für die eMoney-Konzepte erstellt und mit echten Nutzer:innen getestet wurde. Es wurde deutlich, dass sich die Nutzer:innen mehr zu einem der Konzepte hingezogen fühlten als zu den anderen. Dabei handelte es sich um eine mobile App, die „finanzielle Wellness-Beratung“ bieten und die bestehende Software-as-a-Service-Plattform von eMoney ergänzen könnte. 

Diese Testings waren der Beginn dessen, was folglich zu eMoney Incentive wurde.

Darüber hinaus, und das ist vielleicht am interessantesten, konnte während der Test- und Entwicklungsphase festgestellt werden, dass Incentive nicht nur die Zielgruppe Millennials anspricht.

Aufgrund dieser intensiven Tests hat das eMoney-Pilotprogramm eine starke Pipeline an interessierten Nutzer:innen geschaffen, darunter bereits aktive Nutzer, Berater für Altersvorsorge und Arbeitgeber.  

Wenn auch Ihr Produkt eine klare Strategie für kommende User Testings benötigt, wenden Sie sich gerne direkt an uns.

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