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Design & Technology August 08, 2018

Die Drehtür der IT-Entwicklung

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Zwischen der Finalisierung eines Projektes und der tatsächlichen Umsetzung der entwickelten Lösung gibt es große Unterschiede. Besonders dann, wenn große Mengen an Anpassungen anstehen. Sobald die Arbeit ins Stocken gerät, denken die Manager oft, dass zusätzliche Manpower das Problem lösen wird. Oder zumindest dabei hilft, die Fristen einzuhalten, sobald die unerwarteten Schwierigkeiten behoben sind.

Fred Brooke hat das in seinem 1975 erschienenen Buch “Vom Mythos des Mannmonats: Essays über Software-Engineering”, das mittlerweile zu den Klassikern des Software-Engineerings gehört, erklärt. Während seiner Arbeit an der Entwicklung von OS/360 bei IBM hat er zusätzliche Programmierer einem Projekt, das in Verzug geriet, zugeteilt. Später hat er allerdings festgestellt, dass zusätzliche Manpower bei einem Software-Projekt, mit welchem man im Zeitplan hinten liegt, die Fertigstellung nur weiter verzögert. Brooke behauptet, dass große Programmierprojekte aufgrund der Aufgabenverteilung andere Managementprobleme aufweisen als kleinere Projekte. Um das Problem zu illustrieren, können wir die Analogie einer Drehtür nutzen.

DRUCK VERURSACHT VERZÖGERUNGEN

Eine Drehtür rotiert kontinuierlich mit gleichbleibender Geschwindigkeit, solange eine bestimmte Menschenmenge durch die Tür geht. Wenn etwas die Rotation verhindert, wird die Tür sich verlangsamen oder gar anhalten. Beim Zusammenstoß mit der Tür deaktiviert das System automatisch die Rotation, um Verletzungen zu verhindern. Nach einigen Sekunden startet das System wieder neu. Auch kann sich bei größeren Menschenmengen ein Engpass bilden, da die Nutzer der Kapazität und Tür-Geschwindigkeit ausgesetzt sind. Wenn die Nutzer ungeduldig sind, werden sie drängeln und dadurch die Rotation verlangsamen und folglich weitere Verzögerung verursachen.

Wenn man dieses Prinzip auf die IT-Entwicklung überträgt, stellt die Drehtür die Umgebung dar, in der Code-Änderungen weitergeleitet werden. Die Menschenmenge repräsentiert die Änderungen, die umgesetzt werden. Solange die Änderungen nicht freigegeben sind, verursachen sie keine Schwierigkeiten. Obwohl man mit der Freigabe natürlich nicht zu lange warten möchte. Sobald die Änderungen in der Umgebung weitergeleitet werden, erhöht sich das Risiko des Eintretens von Verzögerungen.

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PLANUNG DER IT-KAPAZITÄTEN IST KNIFFLIG

Brooke bleibt bei Analogien und nutzt das Idiom “neun Frauen können in einem Monat kein Kind auf die Welt bringen”, um die Probleme bei der Planung der IT-Kapazitäten zu erklären. Die Idee, dass mehr Programmierer gleich mehr Lieferung bedeutet, berücksichtigt nicht die Unterschiede in der Aufgabenverteilung und die Anzahl der Programmierer. Eine Verzögerung kann folgende Gründe haben:

  • Unrealistische Einschätzung des Budgets, der Zeitplanung oder der Komplexität der Human Resources.
  • Ständig wechselnde, fehlende oder unklare Softwareanforderungen.
  • Onboarding eines neuen Teammitglieds.
  • Temporärer oder permanenter Ausfall eines Teammitglieds.
  • Ungeplante Schwierigkeiten, Meetings oder nicht vorgesehene Tätigkeiten
  • Sich auf die Abarbeitung nächster Aufgaben vorzubereiten, während noch immer am aktuellen Sprint gearbeitet wird.
  • Unterstützende Tätigkeiten für die früheren Versionen.
  • Aufbau der funktionsübergreifenden Fähigkeiten durch eigenständige Weiterbildung.

Nehmen wir Mike als Beispiel. Als Senior-Programmierer besitzt er unterschiedliche Fähigkeiten, die für sein Team wichtig sind. Also es ist logisch, dass Mike die neuen Teammitglieder einweist, wenn ein Projekt ins Stocken gerät und Unterstützung benötigt. Aber es bedeutet auch, dass Mikes Programmierarbeit pausiert. Die wiederkehrende Herausforderung bei der Planung der IT-Kapazität besteht darin, die konkrete Kapazitäten-Erhöhung zu bestimmen, um damit Verzögerungen zu reduzieren oder weitere Engpässe zu vermeiden. Das könnte eine Verschiebung der Aufgaben oder Prioritäten für einige Teammitglieder bedeuten.

DIE ZAHL DER LÖSUNGEN AN DIE UMGEBUNG ANPASSEN

Normalerweise führt die Erhöhung der IT-Kapazitäten zu einer höheren Anzahl der fertiggestellten Anpassungen. Allerdings erhöht sich dabei auch die Wahrscheinlichkeit, dass Entscheidungen in der Freigabeschleife hängen bleiben. Außerdem kann unter Zeitdruck die Qualität der Arbeit leiden und die Überstunden können zur Erschöpfung und Übermüdung führen, die weitere Verzögerungen verursachen.

Die beste Lösung ist die Verbesserung der Kapazitätsplanung und die Anpassung der zu liefernden Lösungen an die Umgebung, in der diese vorgestellt werden. Und was passiert, wenn die Drehtür sich verlangsamt oder gar anhält? Versuchen Sie, keine weiteren Personen reinzuquetschen. Denken Sie daran, Geduld ist eine Tugend.

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