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News März 31, 2017

SXSW 2017: Künstliche Intelligenz und die Jungs vom Silicon Valley

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Diversität ist eines der Topthemen auf der weltweit größten Digital-Konferenz. Genaue Zahlenangaben fehlen, aber gefühlsmäßig scheint es dem Tech-Festival SXSW dieses Jahr gelungen zu sein, nur die Hälfte des Programms mit weißen Männern in den Vierzigern zu füllen. Auch beim Scrollen durch das Programm wird schnell klar: Diversität ist nach wie vor ein wichtiges Thema. Gute Neuigkeiten, denn da ist noch etwas, das ins Gewicht fällt.

Wir sind inzwischen in einer Zeit angelangt, in der die Intelligence allgegenwärtig ist. Wie mein Kollege Danijel Bonacic in seinem SXSW-Talk sagte: „Das sieht man etwa im Spotify Daily Mix, oder bei Google Mail, das Ihnen für eine E-Mail schon mal eine parate Antwort vorgibt.” Bisher sind es noch recht unkoordinierte, clevere Kleinigkeiten. Doch mit der Cloud kommen wir einer allumfassenden Künstlichen Intelligenz (KI) immer näher. Entscheidend für unser Verständnis ist dabei, dass KI sehr wohl trainiert werden muss, um echten Mehrwert bieten zu können. Am Anfang stehen Regeln, danach wird das System durch mehr und mehr Input von selbst schlauer. Zur Veranschaulichung: Google weiß mittlerweile, ob jemand auf dem Foto lacht oder weint. Doch um dies zu lernen, hat jemand der KI zuerst gesagt, an welchen Merkmalen ein Lachen zu erkennen ist, und hat somit auch festgelegt, was ein Lachen an Kriterien erfüllen muss. Das System wurde daraufhin mit Millionen Fotos lachender Menschen gespeist und lernt so, dieses Muster immer besser zu erkennen.

KI dreht sich demnach um Datensätze. Doch wenn diese Datensätze nicht „breit” genug sind, schleichen sich Fehler im System ein. Und die „Regeln” werden aktuell zum größten Teil von jenen 40-jährigen, weißen Männern eingegeben. Dabei sind es oft gerade die Early Adaptors, in der Regel hochqualifizierte Zielgruppen, die zu Beginn die Dienste der KI nutzen und durch Dateneinspeisung trainieren. Da ist es nicht allzu verwunderlich, dass das System sich dann ein recht beschränktes Weltbild antrainiert.

Schon 2015 fanden Wissenschaftler heraus, dass Frauen auf Google weniger häufig Stellenanzeigen für gut bezahlte Jobs zu sehen bekommen (siehe Artikel). Aufgrund der Komplexität von Suchmaschinen ist es schwierig zu sagen, warum dies so ist – ob also die Veröffentlicher der Anzeigen Männer bevorzugen, oder ob dies eine unbeabsichtigte Folge der Algorithmen von Google ist. Fakt ist jedenfalls, dass dies die Nachfrage von Frauen nach jenen gut bezahlten Stellen nicht gerade fördert.

Und eigentlich brauchen wir bei all den Diskussionen zu #fakenews nicht lange zu suchen: Es geschieht in unserem Umfeld am laufenden Band. Dass unsere Timeline bei Facebook genau das widerspiegelt, was wir dem Algorithmus anlernen, und dass es dadurch stets schwieriger wird, die Welt ohne Scheuklappen zu betrachten und Verständnis für die Menschen außerhalb unserer digitalen Blase aufzubringen.

KI ist überall. Alles dreht sich stets weniger um den Code als vielmehr um Strategie und darum, wie man selbst als Marke seine Nutzer noch besser bedienen und wie man die cleveren Kleinigkeiten integrieren kann, die unser Leben schon jetzt leichter machen. Dabei sind wir dazu verpflichtet, uns eingehend mit diesen Nutzern in ihrer Gesamtheit zu beschäftigen und ihnen zuzuhören. Und nicht nur den Jungs aus Silicon Valley.

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